Selbstverteidigung oder Kampfkunst
Wing Tsun ist ein Kampfsystem, welches sich dadurch auszeichnet, dass es viele verschiedene Elemente in sich vereint. Es ist angereichert mit verschiedenen Konzepten, Strategie, Taktik, Selbstverteidigungs- und Kampfkunsttechniken. Diese Reichhaltigkeit bewirkt, dass sich aus Wing Tsun auch eine praktikable Lebensphilosophie ableiten lässt, in der es darum geht Energie nicht zu verschwenden, nicht mit dem Kopf durch die Wand zu wollen und möglichst keine Kräftekollisionen einzugehen.
Was in philosophischer Hinsicht eine Bereicherung darstellt, stellt uns bei der Erlernung der Selbstverteidigung vor ein didaktisches Problem. Hier muss ich unterscheiden, welche Techniken wichtiger als Andere sind und wie die verschiedenen Konzepte ineinander greifen. Es muss eine Hierarchie in der Wichtigkeit des zu Zeigenden erstellt werden. 
Das Problem beim Erlernen von Wing Tsun ist, dass sowohl Selbstverteidigungskonzepte als auch Kampfkunstelemente nebeneinander existieren. Deshalb ist es mir wichtig mit einem roten Faden durch das Training zu führen. Bei dem Durcheinanderwerfen von Selbstverteidigung und Kampfkunst wird Wing Tsun ansonsten komplett verwässert, ideenlos und dysfunktional.  Ein Problem, was beim traditionellen Wing Tsun Training häufig auftaucht. Die SchülerInnen können in der Regel nicht unterscheiden, welche Techniken für die Selbstverteidigung geeignet sind und welche zwar schön aussehen, aber schwer auszuführen sind. Da Kampfkunst und Effektivität sich zum Teil sogar ausschließen habe ich eine eigene Methode für das schnelle Erlernen von Selbstverteidigung entwickelt, die ich an anderer Stelle genauer erläutern werde.
Mein Training ist so konzipiert, dass ich Wing Tsun zuerst nur als Selbstverteidigung unterrichte. Das bedeutet, dass von der ersten Unterrichtsstunde nur effektive und leicht zu erlernende Techniken gezeigt werden. Dabei ist es mir wichtiger ein paar wirksame schnell abrufbare Bewegungen zu zeigen, als viele zu komplizierte Abfolgen. Dabei sollen, die von mir gezeigten Techniken nicht nur wirksam sein, sondern auch den größtmöglichen Schutz bieten. Erst wenn sich merkbare realistische Selbstverteidigungsfähigkeiten entwickelt haben, zeige ich klassisches Wing Tsun weiter, was auch Chi-Sao beinhaltet. Gemäß des Mottos, erst kommt die Pflicht und dann die Kür bzw. erst die Selbstverteidigung und dann die Kampfkunst.