Philosophie

 

Das auf den Philosophen Lao Tse zurückgehende 2500 Jahre alte Konzept des Taoismus bildet die Grundlage unseres Wing Tsun. Dabei handelt es sich um eine Lehre, die sich dadurch auszeichnet, dass Gegensätze nicht antagonistischer, sondern sich ergänzender Natur sind. Es sollen keine Kräftekollisionen entstehen und alle Energie muss immer am Fließen sein. Die Entsprechung dieser Philosophie findet sich im Wing Tsun durch die Art und Weise wieder, wie der Angriffsenergie durch das Nachgeben begegnet wird. Der Kreis bricht die Gerade, was durch die Wendung aus der Angriffslinie erreicht wird. Dabei hat Wing Tsun immer das Ziel der größtmöglichen Energieeffizienz.

 

Beim Taoismus mit seinen Gegensatzpaaren von Ying und Yang handelt es sich um Gesetze, die im ganzen Universum wirken sollen. Diese angepassten Reaktionen und das ohne-Absicht-handeln sind das prägende Element dieser Philosophie. Da allerdings in einer Selbstverteidigungssituation Menschen aufeinander treffen, die mit einem Willen ausgestattet sind, wird unsere Philosophie durch die "Kunst des Krieges" erweitert. Dieses von dem chinesischen General Sun Tsu stammende Buch über die Bedeutung der Strategie beim Krieg, ist auf jede andere Auseinandersetzung auch anwendbar. Das Ziel ist immer das Gewinnen unter Minimierung des Risikos und des möglichen Schadens für einen selber. Da keine Philosophie besser Wing Tsun verstehen hilft als diese, habe ich ihr an anderer Stelle einen eigenen Abschnitt gewidmet.

 

Das dritte Prinzip in meinem Wing Tsun bildet Verifikation und Falsifikation. Das bedeutet, dass jede Technik auf ihre Anwendbarkeit überprüft und gegebenenfalls verworfen oder ergänzt wird, wenn sie sich als falsch oder zu kompliziert erweist. Dabei geht es mir nur um die Funktionalität, welcher ich immer den Vorrang gegenüber der Tradition einräume. Nicht jede Lösung aus der Vergangenheit muss gleichzeitig auch die Beste sein und vor dem Abschneiden alter Zöpfe sollte man/frau sich auch nicht scheuen.

 

Der Konfuzianismus spielt in meinem Wing Tsun übrigens keine Rolle, da er mit dem Wesen des Wing Tsun gar nichts zu tun hat. Er erklärt die Techniken des Wing Tsun nicht und seine zeitlich parallele Erscheinungsform ist nur zufälliger bzw. gesellschaftlicher Natur. In ihm findet sich nur die Organisationsform des konservativen kaiserlichen chinesischen Beamtenstaates wieder, welcher zur Zeit der Entstehung des Wing Tsun vorherrschte.

 

Wir verzichten auch im normalen Unterrrichtsalltag auf die dem Konfuzianismus entlehnten autoritären Strukturen, welche nur das Mitdenken des Schülers bzw. der Schülerin verhindern. Autorität zeichnnet sich nur positiv durch mehr Wissen aus und sollte nicht strukturell bedingt sein!